Guangzhou, 2013
Guangzhou, 2013
ab 620,00 €

Kunstwerke

Die Architekturfotografie von Christopher Domakis

Christopher Domakis' Architekturfotografie spiegelt die moderne Wandlung Chinas vom klassischen Agrarland zur größten und produktivsten Industrienation der Erde wieder.

"Hutong" bedeutet auf Chinesisch "enge Gasse" und in Peking wird darunter das vom Abriss bedrohte Altstadtviertel verstanden, das sich wie ein Irrgarten aus verwinkelten Gassen um das Gelände der verbotenen Stadt verteilt. In den zwei Foto-Serien "Hutong" und "Microcosm" wird die Bipolarität zwischen dem unberührten Altstadtviertel Pekings und den gigantischen Satellitenstädten deutlich – eine Gesellschaft in der Transformation. Hinter dem eng bebauten und historisch gewachsenen Hutong verbirgt sich eine intakte Kommune mit starkem sozialen Zusammenhalt, deren fast dörfliches Leben den Besucher tief berührt, erinnert es doch an die ursprüngliche soziale Zelle der Gemeinschaft.

In eigenen Worten erzählt Domakis: "... eine Ebene, von Flüssen und kleineren Wasserwegen durchzogen, bis zum Horizont sichtbare Kräne und die typischen blauen Blechabsperrungen der Großbaustellen. Vereinzelt ragen schon die Stümpfe zukünftiger Hochhäuser aus dem Staub. Mitten drin ein fremdartig wirkender gigantischer Wohnturmkomplex, dessen Skelett sich im Gegenlicht deutlich abzeichnet. Vereinzelte Glaspanele und Fertigbauelemente zeigen die nahende Zukunft dieser einst stadtfernen Landschaft. Noch beinahe unbewohnt, zieht sich die Schneise durch die einst üppige grüne Natur bis zum Horizont. Schon bald werden hier Kinder auf den neu gepflasterten Straßen spielen und der Wind wird den herrlichen Duft der Garküchen in der Hochhaussiedlung verbreiten ..." Christopher Domakis

Seine visuelle Erzählweise ist geprägt von subtiler Emotion, die weit über eine rein dokumentarische Fixierung hinausgeht. Der Betrachter wird zuerst beindruckt von der ästhetischen Handschrift und dem Umgang mit Lichtstimmungen. Außergewöhnlich ist die Fähigkeit, serielle Identitäten von Fotografien zu erarbeiten, was sowohl inhaltlich als auch formal gelingt in der Gegenüberstellung von "Hutong" und "Microcosm". 

Kaum ein Land oder eine Region kann auf eine ähnliche Historie zurückblicken und vereint in seiner gewaltigen Masse ursprünglich fremde Kulturen und ethnische Gruppen. Gleichzeitig ist eben diese Vielfalt der mächtigste Widerspruch in sich selbst, denn noch nie zuvor wurde versucht, eine Vereinheitlichung der Lebensweise, des Wohnraums und seiner Umgebung in diesem Maße zu steuern, wie es im heutigen China geschieht. Staatliche Maßnahmen, Subventionen und bauliche Großprojekte locken immer mehr Menschen in die unter Zeitdruck neu entstandenen urbanen Industriezonen Chinas.

Ausstellung

2014

F75 f o t o g a l e r i e, Stuttgart